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Training! Auslastung & mehr

Mobility

Wem Agility zu schnell ist und wer Lust am Sport und Spiel mit dem Hund hat, ohne dass der Wettbewerb im Vordergrund steht, der kann vielleicht Mobility für sich entdecken.

Was ist Mobility?

Beim Mobility geht es vor allem um den Spaß am gemeinsamen Lernen und Arbeiten. Vom Prinzip her ist es ans Agility beziehungsweise auch an das Springreiten angelehnt, hat aber auch Elemente einer „Schnitzeljagd“. Es gilt, einen Parcours mit Hindernissen zu bewältigen und Aufgaben zu lösen. Aber: Es gewinnt nicht der, der den Parcours am schnellsten durchläuft, sondern es geht darum, die Aufgaben an den einzelnen Stationen möglichst akkurat, konzentriert und sorgfältig durchzuführen. Die Hindernisse selbst sind sehr vielfältig – so lassen sich bei Spiel und Spaß auch Alltagssituationen trainieren.

Übungen für den Alltag

Neben Slalom, Tunnel oder Brücke sind bei einem in ein Mobility-Turnier auch sehr individuelle Hindernisse eingebaut, die gleichzeitig im alltäglichen Leben mit dem Hund eine Rolle spielen. Denn: Der Hund lernt mit viel Spaß Dinge kennen, die vielleicht unheimlich oder ungewohnt sind. Beispiel: der Hund muss in einem Schubkarren sitzen, über ein Wellblech gehen, eine Minute lang angebunden absitzen oder sich ganz ruhig beim Aufspannen und Zuklappen eines Schirmes verhalten. Insgesamt sind beim Mobility 18 Hindernisse zugelassen.

Für wen eignet sich Mobility

Das Gute am Mobility ist, dass es im Grunde genommen für jeden Hund und Halter geeignet ist. Es müssen von beiden Seiten keine sportlichen Höchstleistungen erbracht werden. Natürlich muss der Vierbeiner gesund sein, doch ein älterer Dackel kann beim Mobility mit ebenso viel Erfolg mitmachen, wie ein quirliger Jack Russell Terrier, ein eifriger Labrador oder ein gemütlicher Mastiff. Wichtig ist allerdings ein guter Grundgehorsam und Freude an der Teamarbeit.

Aussteigen aus dem Auto:

Erst auf los geht’s los!

Diese Situation kennen Sie vielleicht: Sie haben die Kofferraum- oder Autotür gerade mal zur Hälfte geöffnet, da zwängt sich der Hund schon voller Euphorie und Tatendrang an Ihnen vorbei und springt nach draußen. Jegliche Erziehung scheint vergessen, die Vorfreude auf den Spaziergang, den wartenden Hundefreund oder andere Verlockungen sind einfach zu groß. Aus Hundesicht natürlich völlig verständlich. Aber leider nicht ganz unproblematisch. Ein entsprechendes Training ist angesagt!

Vorsicht und Rücksicht beim Aussteigen

An einer vielbefahrenen Straße kann ein solches Verhalten lebensgefährlich für den Hund werden, wenn er direkt vor ein herannahendes Auto schießt. Weniger folgenschwer, aber zumindest sehr unangenehm und peinlich kann es werden, wenn der Hund dabei Passanten zu Tode erschreckt, anrempelt oder Fahrradfahrer vom Sattel holt. Daher gilt: Vorsicht und Rücksicht gebieten es, dass der Hund lernt, ordentlich aus dem Auto zu steigen.

Entspanntes Aussteigen muss traniert werden

Haben Sie so ein stürmisches Exemplar im Haus? Dann sollten Sie gleich heute mit dem Training beginnen. Planen Sie ein wenig mehr Zeit für den Spaziergang und lassen sie die Leine während der Fahrt an Geschirr oder Halsband befestigt.
Wenn Sie am Ziel angelangt sind und aussteigen wollen, machen Sie Ihren Hund zunächst durch die Scheibe auf sich aufmerksam. Er sollte sie ansehen. Die Tür bleibt noch geschlossen. Steht er schon erwartungsfroh und voller Spannung im Kofferraum oder auf dem Rücksitz, dann schicken Sie ihn erst einmal ins „Sitz!“. Befolgt er das Kommando, können Sie langsam die Türe öffnen. Sobald ihr Hund Anstalten macht, aufzustehen und loszustürmen, unterbinden Sie dies mit einem  „Nein!“ und schließen Sie die Türe wieder. Nofalls halten Sie ihn an der Leine zurück. Das alles machen Sie langsam und völlig ruhig! Nach einigem Üben wird er begreifen, dass der Blitzstart aus dem Auto der Vergangenheit angehört. Loben Sie ihn ruhig und ausgiebig, wenn er sich richtig verhält.

Wichtig: Sie müssen absolut konsequent bleiben. Ihr Hund muss trotz geöffneter Türe so lange im Auto sitzen bleiben, bis Sie ihm erlauben, auszusteigen. Führen sie dazu ein eigenes Signal ein, zum Beispiel „Los!“ oder „Auf geht’s!“.
Auch wenn das Aussteigen gut klappt, sollten Sie dabei immer wachsam sein. Denn auch ein artiger Hund kann manchmal die gute Erziehung vergessen, wenn draußen der berühmte Hase lockt…

Schnüffelspiele für den Hund

Beschäftigung in Haus und Garten

Kennen Sie das, draußen ist so richtiges Schmuddelwetter und eigentlich würde man keinen Hund vor die Türe jagen.  Trotzdem schauen Sie ein oder zwei oder mehrere große Hundeaugenpaare an und man kann deutlich in ihnen lesen: „…mir ist sooo langweilig!“

Dann ist es Zeit, sich ein paar Gedanken zu machen. Was kann Mann/Frau seinem Hund Gutes tun, ohne dass man in den Regen muss? Beschäftigung im Haus! Wie wäre es da mit Schnüffelspielen?

Auch das Schnüffeln will gelernt sein. Es eignet sich vor allem gut als Beschäftigung für Ihren Hund, weil man es überall machen kann. Zudem erfordert es ein hohes Maß an Konzentration und somit wird der Hund optimal ausgelastet. Jeder Hund kann Schnüffelspiele erlernen, unabhängig von Alter und Rasse. Natürlich eignen sich einige Rassen mehr für die Nasenarbeit, aber letztendlich kann jeder Hund, der Leckerlis oder ein Spielzeug liebt, in kleinen Schritten an das Schnüffeln spielerisch herangeführt werden.

Schnüffelspiele und „Such“ – der Anfang

Hilfreich ist es, wenn Ihr Hund bereits das Signal Sitz beherrscht und es auch längere Zeiten halten kann, damit Sie das Leckerli platzieren können. Wenn das nicht der Fall ist braucht man einen Assistenten, der den Hund hält, damit der nicht gleich losstürzt.

Zunächst wird das (sehr gute!) Leckerli in Sichtweite von Ihrem Hund auf den Boden gelegt. Er soll die Handlung sehen. Sobald er losgeschickt oder losgelassen wird, rennt er zum Leckerli hin und frisst es auf. Nun wollen wir den Hund loben und uns mit ihm freuen! Wenn Sie dies ein paar Mal wiederholen, kann sich der Hund an den Ablauf gewöhnen.

Nun können Sie die Entfernung vergrößern, ein paar Meter weiter weggehen und das Leckerli vielleicht schon hinter ein Stuhlbein legen. Der Schwierigkeitsgrad sollten nur gesteigert werden, wenn der Hund die Aufgabe gut bewältigt, denn er soll stets Erfolg und Freude beim Schnüffelspiel haben.
Wenn Sie das Signal „Such“ dazu einführen möchten, dann sollten sie 0,5 Sekunden bevor der Hund anfängt zu schnüffeln das Kommando sagen. Wichtig ist, dass er das Leckerli auch wirklich findet, also die erfolgreiche Suche mit dem Signal verbindet.

Sobald der Hund das Wort richtig verknüpft hat, kann es mit dem Schnüffeln und Spielen richtig losgehen.
Das Ganze funktioniert auch mit einem Spielzeug, der Hund muss wissen, wonach er suchen soll. Also immer den Gegenstand oder das Leckerli zeigen bzw. eine Geruchsprobe vor dem Schnüffelspiel füttern und dann kann es losgehen!

Richtig Verstecken – das ist die Kunst

Beginnen Sie damit, die Leckerlis in einem anderen Raum auf dem Boden zu verstecken und weiten Sie die Suche dann schrittweise auf die gesamte Wohnung, das Haus oder den Garten aus.

Die nächste Stufe wäre, die Leckerlis unter bzw. in Tücher (z.B. Bettwäsche, in alten Socken), Altpapier, Teppichen, Gegenständen (Schuhe, Kartons etc.) oder auf höheren Ebenen (Stühle, Bettkanten, Regale usw.) zu verstecken. Hier ist Ihrer Fantasie keine Grenze gesetzt, einziges Kriterium ist, dass der Hund einigermaßen gut an die Leckereien kommen bzw. sie erschnüffeln kann.
Aufpassen muss man allerdings, wenn der Hund dazu neigt, das Leckerli samt Socke oder ähnlichem zu verschlingen, dann lieber eine anderes Schnüffelspiel wählen.

Beliebt ist auch, den Hund die leckeren Happen unter Blumentöpfen, einem Wäschekorb oder verschiedenen Tupper-Dosen erschnüffeln zu lassen. Hat man z.B. sechs gleich aussehende Plastikbecher und versteckt das Leckerli unter einem davon, ist es für den Hund eine gute Konzentrationsübung. Verschiebt man dann noch die Becher vor den Augen des Hundes hin und her, steigert man die Schnüffelarbeit.

Eine andere sehr einfache, aber effektive Variante ist, den Hund sein Futter erschnüffeln zu lassen. Sie können beispielsweise eine Handvoll Futter im Garten, auf den Rasen werfen und der Hund schnüffelt seinem Futter hinterher. Dies ist mit Trockenfutter auch im Haus gut machbar.
Gerade wenn Hundehalter das Haus verlassen wollen, kann eine Handvoll hingeworfener Leckerlis, z.B. in der Küche, das Hinausgehen sehr vereinfachen. Ihr Hund ist dann mit Schnüffeln beschäftigt, vorausgesetzt sie verzichten auf die Verabschiedung und schleichen sich flott hinaus.

Viel Spaß beim Ausprobieren – auf gutes Schnüffeln 😉

Jagdverhalten bei Hunden – Teil 2

 

Hund YulaDer Umgang mit dem Jagdverhalten – Wie erkenne ich die Halbherzigen?

Nicht immer muss ein ausgeprägter Jagdtrieb unsere „Jäger“ antreiben 😉

Es kann einfach sein, dass sich unserer Vierbeiner nur langweilen oder schlichtweg noch nicht gewusst haben, dass wir Menschen das Jagen nicht sooo toll finden, denn sie finden es ja super!

Das sind die halbherzigen Jäger…

Häufig haben wir mit solchen Hunden viele Hetz- und Ballspiele in der Jugend veranstaltet, sie gelobt, wenn sie mal den Ball gebracht haben, wenn nicht – war es auch nicht so schlimm und haben ihnen im Großen und Ganzen ihren Willen gelassen. Vielfach haben diese Hunde einen starken Spiel- und Bewegungstrieb.

Beim Jagen aus Langeweile und/oder aus einem Missverständnis heraus, sollten wir zunächst eine guten Grundgehorsam trainieren. Besonders das „Nein“, also ein Wort für den Handlungsabbruch, ist zentral. Ist dies fest erlernt, reicht es manchmal bereits, den Hund an der Schleppleine, das Jagen von Vögeln & Co. mit einem Nein zu verbieten. Er muss erst verstehen lernen! dass dies kein erwünschtes Verhalten ist.

Neben dem Grundgehorsam kommt man der Langeweile nur mit Auslastung bei, die bei jedem Mensch-Hund-Team wo anders liegt. Ob z.B. Agility, Dummyarbeit oder Longieren, alles was den Hund körperlich und geistig auslastet, nimmt ihm die Lust und Energie sich selbst eine (jagdliche) Beschäftigung zu suchen. Zudem werden seine  Bedürfnisse kontrolliert befriedigt und die Bindung zum Menschen gestärkt.

Wie gehe ich mit den Jägern aus Leib und Seele um?

Wenn Sie einen wirklichen Jäger daheim haben, erkennen Sie das an verschiedenen Anzeichen, z.B. sind jagdtriebige Hunde häufig gestresst, wenn sie nur das Haus oder Auto verlassen. Sie werden unruhig, fiepen, ziehen an der Leine usw. Nehmen Sie dann nach wenigen Schritten die erste Fährte auf, halten die Nase in den Wind oder suchen am Boden, werden steif oder hektisch, sind nicht mehr ansprechbar und können vor allem keine Signale mehr ausführen, dann werden sie auf Jagd gehen, wenn sie können – denn die Hunde zeigen typisches Jagdverhalten und verlieren in diesem Moment die Bindung zu Menschen.

Viele Hundehalter versuchen ihren Übeltäter dann noch zurück zu rufen, brüllen Nein oder kämpfen mit dem Blutdruck. Ist es einmal soweit gekommen, machen Rückruf, Strafe oder Wutausbrüche keinen Sinn mehr, erst recht nicht, wenn Ihr Liebling zurückkehrt. Er lernt nur, dass eine Rückkehr zu Ihnen wenig Freude macht. Verstehen, warum sie sich so aufregen, kann er nicht.

Antijagdtraining ist ein Begriff der dann in diesem Zusammenhang häufig fällt. Darunter fallen verschiede methodische Ansätze mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Antijagdtraining

Einig sind sich alle, dass der Jagdtrieb beim Hund nicht auslöschbar ist. Man kann ihn als Mensch nur kontrollieren und lenken.

Das bedeutet zunächst, dass der Hund so gelenkt wird, dass er davon abgehalten wird, ein positives Jagderlebnis zu bekommen. Sicherheitsmaßnahmen, wie eine lange Leine, eine vorausschauende Wahl der „Gassigehwege“, Freilauf nur unter Beobachtung, usw. gehören dazu. Ebenfalls spielt auch der Verzicht auf Förderung unkontrollierten Jagdverhaltens, wie z.B. Ballspiel, eine große Rolle.

Zu Beginn steht immer eine detaillierte Diagnose des betreffenden Hundes – hierbei ist der Hundehalter gefordert. Antworten müssen gefunden werden auf Fragen wie: Was ist der auslösende Reiz bei meinem Hund? Wie läuft die Jagdsequenz bei ihm ab? Wo ist der Anfang und das Ende? Gibt es unterstützende Reize, wie Stress, Unterforderung usw.?

Dann fängt das Training in den verschiedensten Bereichen an.

Betrachtet wird u.a. die Bindung zwischen dem Menschen und seinem Vierbeiner, einhergehend mit einem Aufmerksamkeitstraining.

Außerdem gehört zur Kontrollierbarkeit des Hundes maßgeblich ein mehr als guter Grundgehorsam. Signale wie der Rückruf, Sitz, Platz und Nein werden schrittweise aufgebaut, bis sie unter großer Ablenkung (bis hin zum Wild) von dem Hund beherrscht werden.

Hier kommt häufig die berühmt berüchtigte Schleppleine zum Einsatz. Eine meist 10m lange Leine, an der Signale auf Distanz mit dem Hund geübt werden. Wobei die Leine nur als „Sicherheitsnetz“ fungiert und nicht zum Lenken bzw. dauerhaft „dran ziehen“ gedacht ist – eine Philosophie für sich, welche vor allem wir Menschen erst mal selber üben müssen 😉

Und last but not least die bereits oben angesprochene Auslastung des Hundes. Apportiertraining, Mantrailing, Treibball & Co. bieten unserem Vierbeiner die Möglichkeit, seinen Jagdtrieb auszuleben. Wir können dabei mit ihm trainieren, den Beutereiz zu kontrollieren.

Angesichts der Fülle von Möglichkeiten, wie wir mit unseren geliebten Jägern umgehen können, sollte man sein Vorgehen gut planen (evtl. auch mit Unterstützung). Eines ist jedenfalls klar, den Hund bloß anleinen – und fertig, reicht auf keinen Fall aus und ist nicht artgerecht für den Hund.

Sehen Sie es doch mal positiv – irgendwann wird ihr Hund auf Sie schauen und denken: „Ich bin Jäger, das ist mein Co-Jäger, uns kann nichts auf der Welt voneinander trennen.“

In diesem Sinne Waidmanns Heil!

Jagdverhalten bei Hunden – Teil 1

 

Die Last mit den fliegenden Ohren und der heißen Nase….

Jagende Hunde – ein Thema, das so manchen leidgeprüften Hundehalter in die schiere Verzweiflung treibt.

„Mein Hund jagt“, bekommt man oft auf Spaziergängen zu hören. Dann ziehen Herrchen oder Frauchen langsam an einem vorbei – dann kommt lange nix – außer einer dünnen Schleppleine – und dann der jagende Übeltäter.

„Wir machen ihn nicht mehr los“ rufen sie häufig hinterher, mit einem entschuldigen Spaziergang mit Hund und GleichgesinntenUnterton, warum man dem Hund nun das Losrennen mit Artgenossen verweigert.

Aber was bedeutet „Jagen“ überhaupt ? Jagt mein Hund schon, wenn er schnüffelt ? Oder muss er eine Beute fangen, damit man vom Jagdtrieb spricht ? Wieso kann ich meinem Hund nicht das Jagen einfach verbieten?

Die Genetik und der Jagdtrieb – dickere Freunde gibt’s nicht….

Warum jagen Hunde ? Die Natur gibt jedem Hund ein „wölfisches Erbe“ mit auf den Weg, was keiner (auch wir Hundehalter nicht!) mehr umtauschen kann. Darin enthalten ist u.a. der genetisch verankerte Jagdtrieb – was ein absolut normales Verhalten von Hunden ist! Jagdverhalten ist allerdings je nach Rasse und Individuum in unterschiedlichem Ausmaß angeboren.

Der Jagdtrieb ist ein unbewusster, biologischer Verhaltensvorgang, der nicht willentlich gesteuert werden kann. Dies hat die Natur sehr klug eingerichtet, denn der Jagdtrieb wird relativ unabhängig von Hungergefühlen ausgelöst. Durch die Ausschüttung bestimmter Hormone verspürt der Hund eine Art Hochgefühl, dass für ihn weitaus mehr wert ist, als ein Leckerli oder Ballspiel. Das Jagen bezeichnet man deshalb als sich selbst belohnendes Verhalten.

Hier liegt auch die Ursache, warum wir dem Jagdtrieb unseres Hundes nicht einfach mit „verbieten“ oder „ein bisschen Training“ beikommen können. Gegen die Natur anzutrainieren macht kaum Sinn und wir Menschen haben dabei schlechte Karten.

Es müssen andere Wege und Methoden gewählt werden, um den Trieb auszutricksen oder besser gesagt zu kontrollieren und zu lenken.

Aber schauen wir uns das Jagen zuvor genauer an.

Der Ablauf des Jagens

Das Jagen lässt sich in verschiedenen Phasen einteilen, die normalerweise nacheinander und automatisch ablaufen.

1)   Beute suchen: Lokalisieren und Fixieren = Schnüffeln, Horchen, Absuchen mit den Augen usw.

2)   Beute fangen: Anpirschen und Hetzen = Fährte verfolgen, einkreisen, Beute verfolgen

3)   Beute töten und Fressen: Packen und Töten = Beute packen, in die Kehle beißen, totschütteln

Die einzelnen Jagd-Phasen sind, je nach Rasse und Hundetyp, unterschiedlich intensiv ausgeprägt. Nicht alle Hunde durchlaufen alle Phasen in gleicher Form, sie können allerdings in einer beliebigen Phase beginnen.

Verschieden Hunderassen – verschiedene Arten des Jagens

Ein Grund, warum der Wolf vom Menschen domestiziert wurde, ist u.a., dass er den Menschen bei der Jagd ausgezeichnet unterstützen konnte.

Heute existieren zahlreiche Jagdhunderassen, die sich durch entsprechende Zucht mit ihren Eigenschaften und Verhaltensweisen auf gewisse Jagdarten spezialisiert haben. Dies bedeutet, dass der Jagdtrieb bei Hunden genetisch verändert wurde. Gewisse Anteile im Jagdverhalten bzw. Jagdphasen wurden durch Züchtung entsprechend verstärkt oder abgemildert.

Beispielsweise ist das „Hüten“ beim Border Collie eine verstärkte Jagdsequenz, es darf aber nicht zur Endhandlung – des Hetzens und Tötens – kommen. Oder der Retriever, welcher die Beute apportiert, aber auch nicht töten darf. Vorstehhunde zeigen durch ihre Körperhaltung Wild an, dürfen es aber nicht jagen. Windhunde können aufgrund ihrer guten Augen und schnellen Lauffähigkeit ihre Beute zu Tode hetzen, sie sind dagegen weniger für die Fährtensuche geeignet.

Auslöser Jagdverhalten

Grundsätzlich lösen Bewegung, Geräusche und Geruch den Jagdtrieb aus.

Antijagdtraining Hundeschule Ziemer & Falke
Sie können den Jagdtrieb nicht abstellen, aber Sie können Ihren Hund andere Aufgaben geben und seine Energie umlenken

Da unsere Hunde aber nicht nur mit einem angeborenen Verhalten, sondern auch einem erlernten Verhalten durch die Welt spazieren, kann es passieren, dass wir Menschen unserem Hund (ungewollt) erst einmal ein schönes Beuteschema beibringen.

Rennende Kinder, Jogger, Radfahrer, Autos, Wild und andere Tiere, usw., im Prinzip kann unser Hund vieles jagen lernen. Es hängt davon ab, welche Erfahrungen er in seiner Umwelt macht oder wir ihm bieten.

Zudem entwickelt sich Jagdverhalten bei heranwachsenden Hunden mit der Zeit. Es zeigt sich, je nach individueller Entwicklung, auch erst im Alter von 1 bis 2 Jahren. Deswegen beschreiben Hundehalter oft ihren Hund, der aus „heiterem Himmel“ zu jagen anfing.

Im 2. Teil zum Thema Jagdverhalten besprechen wir:

  • Der Umgang mit dem Jagdverhalten:
  • Wie erkenne ich es?
  • Wie gehe ich damit um ?
  • Kann ich es verhindern ?